BWS Effretikon

Kontaktperson:
Viktor Rogger, Schulleiter
BWS Effretikon
Lindenstrasse 12
8307 Effretikon
www.bwseffretikon.ch

Wie ist die Thematik aktuell geworden?

Sämtliche Lehrkräfte der BWS Effretikon sind Nichtraucher/innen und leben selbst gesundheitsbewusst. Wir wollen dieses Bewusstsein auch den Jugendlichen weiter vermitteln, welche an unserer Schule ein Berufsvorbereitungsjahr absolvieren.
Unser (eigenes) Schulgebäude befindet sich auf dem Areal der Oberstufen-Schulanlage Watt, deren Infrastruktur wir mit benutzen. Auf dem Schulareal herrscht Rauchverbot. Unsere Jugendlichen müssen sich an die Schul- und Hausordnung der Oberstufen-Anlage halten. Etliche Jugendliche kommen schon als starke Raucher/innen zu uns und sind entsprechend nikotinabhängig.

Was hat die Schule unternommen?

Am Anfang des Schuljahres 2006/2007 haben wir eine spezielle Gesundheitswoche durchgeführt mit verschiedenen Angeboten, aus denen die Jugendlichen eine Auswahl treffen konnten. Wir haben die BWS Effretikon als „rauchfreie Schule“ deklariert und sind nach den Vorgaben im Handbuch vorgegangen.

Wer wurde einbezogen?

Die Lehrkräfte der BWS, die Schülerinnen, die Eltern (schriftliche Information).

Wie wurden die Massnahmen erarbeitet?

Gemäss Handbuch; die Lehrkräfte der BWS waren leicht zu gewinnen. Wir hätten gerne die ganze Oberstufenanlage einbezogen. Dies war aber kurzfristig nicht möglich.

Wie gestaltete sich der Prozess?

Die meisten Jugendlichen zeigten sich nicht besonders interessiert. Viele NichtraucherInnen sind von der Problematik nicht betroffen, da sie NichtraucherIn bleiben wollen. Einige (starke) RaucherInnen zeigen keine Bereitschaft, sich auf dem Weg zu Nichtrauchen helfen zu lassen.

Welche Regeln gibt es?
Auf dem Schulareal ist rauchen verboten, und die SchülerInnen dürfen während den Pausen das Schulareal nicht verlassen. Starke RaucherInnen können diese Regeln nicht einhalten, und sie schaffen es, das Areal zu verlassen, ohne sich erwischen zu lassen.

Welche Sanktionen werden bei Übertretungen ergriffen?
Bisher wurde niemand beim Rauchen auf dem Schulareal erwischt, weil die Jugendlichen wissen, dass uns das zutiefst missfällt. Sie wissen aber, dass wir das Schulareal nicht absperren können und finden so einen Weg, gegen diese Regel zu verstossen, ohne erwischt zu werden. Wer erwischt wird, muss während einer Woche die Pause an einer besonderen Stelle verbringen, die vom Lehrerzimmer aus eingesehen werden kann. Das ist keine besonders harte Massnahme. Sie ist aber bei den Jugendlichen sehr unbeliebt.

Welche Erfahrungen wurden bisher mit dem Regelwerk gemacht?
Ich glaube nicht, dass das „Regelwerk“ besonders zur Situation beiträgt, mit der wir zurzeit nicht zufrieden sind, aber mit der wir leben müssen. Geändert hat sich nicht viel. Wir waren schon vorher eine rauchfreie Schule, und einige SchülerInnen sind weiterhin starke RaucherInnen. Die jetzige Situation ist unbefriedigend, aber ent-spricht der Realität, und wir können uns trotzdem glücklich schätzen: Die Jugendlichen begegnen einander und uns Lehrkräften mit Respekt. Die RaucherInnen verstossen nicht gegen die Regeln, weil sie sich auflehnen oder uns ärgern wollen; sie sind süchtig. Das tut uns weh und wir würden das gerne ändern. Es fehlt aber bei den meisten Jugendlichen die Bereitschaft dazu.

Seit einiger Zeit müssen wir NichtraucherInnen uns nicht mehr als Exoten fühlen, und es ist doch erfreulich, wie schnell Gesetze geändert werden können, wenn man will.

Eine persönliche Bemerkung kann ich mir trotzdem nicht verkneifen: Manchmal kann es mich recht wütend machen, dass „wir“ mit leeren Händen gegen die Milliarden ankämpfen müssen, mit denen die Tabakindustrie heute sogar damit wirbt, dass Rauchen tödlich ist. Zynischer geht’s nimmer, aber wir tolerieren’s...