Krämeracker
Kontaktperson:
Josiane Meyer
Oberstufenschulhaus Krämeracker
Zürichstrasse 31
8610 Uster
Tel.: 044 940 23 30
Die Q-Gruppe „Konsumverhalten“ startete im Schulhaus Krämeracker 2004/2005 das Projekt "Rauchfreie Schule". Es störte uns, dass viele SchülerInnen auf dem Schulhausareal rauchten, und wir wollten etwas dagegen unternehmen. Unsere Arbeitsgruppe zur Qualitätsentwicklung an der Schule bestand anfänglich aus fünf Personen und ist jetzt auf vier Personen reduziert worden. Wir starteten mit der Unterstützung von Sibylle Feuz von der Suchtpräventionsstelle Zürcher Oberland und Ute Herrmann von Züri Rauchfrei. Als Grundlage nahmen wir den deutschen Leitfaden "Auf dem Weg zur rauchfreien Schule" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
Lehrerarbeit
Nach einer gründlichen Einarbeitung ins Thema organisierten wir mit Hilfe von Sibylle Feuz und Ute Herrmann einen Weiterbildungstag zum Thema "Rauchfreie Schule" für unser Lehrerteam. Dazu haben wir aktuelle Lehrmittel zur Suchtprävention vorgestellt.
Eltern- und Schülerarbeit
Interessierte Eltern und KlassenvertreterInnen halfen in der Folge mit, ein Regelwerk für unsere Schule zu erarbeiten. Dies war eine Première für unsere Schule, waren Eltern- und SchülerInnenmitwirkung zu diesem Zeitpunkt noch nicht eingeführt. Um unsere SchülerInnen für die Suchtproblematik zu sensibilisieren, haben wir verschiedene Anlässe im Klassenzimmer organisiert. So spielte Gabriel Magos sein Stück "Der singende Knochen", in dem es um den Umgang mit Problemen geht, in allen Klassen vor. Die anschliessende Diskussion wurde ebenfalls von Gabriel Magos geleitet und brachte einiges. Weiter besuchte der Exjunkie und Künstler Urs Bader alle Klassen und erzählte sehr eindrücklich von seiner Leidensgeschichte.
In einem Elternbrief haben wir die Eltern über alle Anlässe genau informiert und sie ebenfalls zu einer Begegnung mit Urs Bader eingeladen. Auch die lokale Presse war anwesend. An einem weiteren Elternabend zur Suchtprävention informierten wir gemeinsam mit Eltern über unser Projekt und die neuen Massnahmen. Am Eingang servierten wir verschiedene alkoholfreie Drinks an einer speziellen Bar, die man bei der Suchtpräventionsstelle umsonst erhält. Die Schulleitung übernahm die Begrüssung. Zudem spiele das Anspieltheater "Ja oder Nein" alltägliche Situationen einer Familie an. Die ZuschauerInnen konnten in Gruppengesprächen über das Gesehene diskutieren und beim zweiten Vorspielen ins Stück eingreifen oder sogar selber mitspielen. Bei diesen Szenen ging es darum, auch im Alltag Grenzen zu setzen und so einen Beitrag zur Suchtprävention zu leisten. Die Eltern machten begeistert mit und schätzten den Austausch.
Umsetzung der Massnahmen
Bevor wir unseren Massnahmenkatalog zur "Rauchfreien Schule" umsetzten, informierten wir unsere SchülerInnen gründlich. Mit Künstler-Posterm visualisierten wir den Start, der mit Beginn des Schuljahres 2006/07 erfolgte. Die KlassenlehrerInnen hängten in ihren Zimmern den Massnahmenkatalog klar sichtbar auf und die Pausenaufsicht wurde von zwei auf sechs Personen verstärkt. Gleichzeitig ist es uns ein grosses Anliegen, die nichtrauchende Mehrheit der SchülerInnen zu belohnen. NichtraucherInnen können bei uns ein Formular zur Nichtraucherbelohnung ausfüllen, das auch von den Eltern signiert wird. Wenn die SchülerInnen während eines ganzen Schuljahres nicht rauchen, erhalten sie zum Beispiel einen Kinogutschein. SchülerInnen, die mit dem Rauchen aufhören möchten, können freiwillig einen Motivationskurs besuchen, der an drei Mittwochnachmittagen stattfindet. Tatsächlich haben bereits sechs SchülerInnen an einem solchen Kurs teilgenommen. Verschiedene eindrückliche Berichte aus diesem Kurs hängen zurzeit an unserer Schulhauspinwand. Weiter hat jede Klasse eine Spielkiste mit Spielen fürs Freie erhalten, damit sich die SchülerInnen möglichst viel bewegen.
Ergebnisse
Unsere Arbeit hat die SchülerInnen für ihre Gesundheit sensibilisiert und einzelne RaucherInnen haben sogar mit dem Rauchen aufgehört. Zudem haben wir weniger SchülerInnen auf dem Pausenplatz beim Rauchen erwischt. Sobald die LehrerInnen ihre Pausenaufsicht nicht seriös durchführen, rauchen die SchülerInnen wieder vermehrt auf dem Schulhausareal und in Sichtweite. Der Massnahmenkatalog muss strikt umgesetzt werden. Die meisten Eltern unterstützen unsere Bemühungen. Nur wenige sind damit nicht einverstanden. Umso genauer wir auf dem Schulhausareal kontrollieren, umso mehr verschiebt sich die Raucherproblematik zu den Nachbarn. So haben sich auch schon Nachbarn über rauchende SchülerInnen von uns beschwert. Wir schlagen diesen Nachbarn jeweils vor, uns Fotos von den Rauchern zu mailen, damit wir die Eltern der betroffenen SchülerInnen zumindest informieren können. Dabei bleiben die Namen der Nachbarn anonym. Allenfalls können sich die Nachbarn auch bei der Polizei melden. Rauchende SchülerInnen wird es leider immer geben, aber mit Hilfe der "Rauchfreien Schule" kann das Problem einigermassen unter Kontrolle behalten werden.
Finanzielles
Es ist klar, dass all unsere Massnahmen nicht gratis sind. Unsere Q-Gruppe konnte aber die Schulpflege davon überzeugen, ein spezielles Suchtpräventionsbudget (6000.- pro Jahr für 12 Klassen) zu bewilligen. Das Geld steht uns jetzt jährlich zur Verfügung. Für unsere vorherige
Q-Gruppe „Kultur“ bekamen wir ein Kulturbudget vom gleichen Umfang. Eine erfolgreiche Suchtprävention hat für uns auch mit Schulhauskultur zu tun. So organisieren wir in unserer Schule immer wieder kulturelle Anlässe (z.B. Theater, Lesungen, Zeichnungswettbewerbe, Kulturabo, Projektwochen). Sportliche Anlässe sind uns ebenfalls wichtig (Schneetag, Skilager, Vollmondwanderungen, Hip-Hop-Tage, Schtifti Skateranlass, Freestyletour). Für unsere Q-Arbeit steht uns zusätzlich Geld zur Verfügung. Zudem haben wir auch von Suchtpräventionsstelle schon Gelder zugesprochen erhalten.
Das Thema Rauchen ist also mit vielen anderen Themen verknüpft und kann nie abschliessend abgehakt werden. Wir LehrerInnen müssen wie bei so vielem immer am Ball bleiben, aber es lohnt sich. Übrigens befasst sich unsere Gruppe „Konsumverhalten“ dieses Jahr mit dem Medienkonsum unserer SchülerInnen (Handys, Fernsehen, DVD, Computer). Weitere Themen könnte der Alkoholkonsum oder die Ernährung sein. Viele Ideen haben wir übrigens in einem Suchtpräventionskurs gewonnen.
| Anhang | Größe |
|---|---|
| Massnahmenkatalog Krämeracker.doc | 30.5 KB |